Bereits im April 1936 einigten sich die Generäle Kesselring von der Luftwaffe und Becker vom Heereswaffenamt, Hauptmann Walter Dornberger, Wernher
von Braun und der Chef der Entwicklungsabteilung des Luftfahrtministeriums, Oberstleutnant von Richthofen über den geplanten Bau. Der Beschluss zur
Errichtung der Peenemünder Versuchsstellen wurde gefasst. Nach einer ausführlichen Vermessung wurde das entsprechende Gelände der Stadt Wolgast, dem Forstamt Pudagla und einigen Privatpersonen im Auftrag des
Heeres für insgesamt über 2 Millionen Reichsmark abgekauft.
Das kleine idyllisch gelegene Fischerdorf Peenemünde, mit großer Hoffnung auf einen auf blühenden Fremdenverkehr, hörte auf zu existieren. Bis 1940
zogen alle Einwohner aus Peenemünde weg und das Dorf wurde fast vollständig abgerissen.
Blick auf die sogenannte “Grot-Peene“
Laut Vertrag vom 29. Juni 1936 verkaufte die Stadt Wolgast große Flächen des städtischen Grundbesitzes, so unter anderem das Vorwerk Peenemünde
und die Försterei Peenemünde, an das Reich bzw. an die Wehrmacht.
Auf einem Gebiet von etwa 25 km2 erfolgte ab August 1936 mit großem Aufwand und Tempo der Bau der modernen Heeresversuchsanstalt und der
Anlagen für die Luftwaffenerprobungsstelle. In einigen Häusern des Ortes Peenemünde siedelten sich Bauarbeiter, Handwerker und die Bauleitung an.
Die Firma “Grün & Bilfinger‘“ bezog das Vorwerk Mückenhof und begann mit dem Aufbau des Flugplatzes und des Hafens.
Unter der Leitung von Diplomingenieur Abendroth nahm die Luftwaffenbauverwaltung die Baudurchführung, die Anlage von Straßen und Gleisen und den Bau von Unterkünften für die Bauarbeiter in Angriff.
Die Bauleitung unter dem Vorsitz von Diplomingenieur Müller nahm bereits am 1. April 1936 in Berlin ihre Tätigkeit auf und siedelte am 15.9.1936 mit 10
Mann von Berlin nach Peenemünde um; die Angestellten bezogen ihr erstes Quartier in Karlshagener Villen.
Verantwortlich für das gewaltige Bauvorhaben zeichnete ab 1945 die Baugruppe Schlempp und der Bauingenieur Heinrich Lübke, sowie der Architekt Erwin Maaß. Die Anlagen im Werte von etwa 300 Millionen
Reichsmark wurden innerhalb kurzer Zeit von etwa 10.000 Arbeitern erbaut.Bei der Ausbaggerung des Mühlensees wurde das Gelände des späteren
Kraftwerkes und des Hafens aufgeschwemmt.. Auf dem Peenemünder Haken wurden Naßbagger- und Erdarbeiten für das Rollfeld, dem heutigen Flugplatz, durchgeführt.
Im Wirtschaftsgebäude des Gemeinschaftslagers Ost richtete sich im Dezember 1936 eine Kantine zur Verpflegung des Personals ein. Die Firma
„Ernst Kerl, Kantine Versuchsstelle Peenemünde in Pommern” wurde am 1. April 1937 in das Handelsregister des Amtsgerichtes Wolgast eingetragen.
Der Pächter Ernst Kerl organisierte neben der täglichen Verpflegung auch größere Veranstaltungen gemeinsam mit der Arbeiterschaft der Firmen, sowie Mai- und Weihnachtsfeiern für die Belegschaft.
Am 8. Februar 1942 erlosch die Firma „Kantine Ernst Kerl“. Deren Einrichtung wurde durch die Wehrmacht in Eigenverwaltung übernommen. Nach der
Fertigstellung des Wirtschaftsgebäudes auf dem Platz zog am 7. Januar 1937 der Kasinobetrieb dorthin um.
Ab November 1936 verkehrte auf der Strecke Wolgast-Peenemünde ein Autobus der Bauleitung, so dass die Beschäftigten der Baustelle an- und
abreisen, bzw. zum Einkauf nach Wolgast fahren konnten.
Die Stadt Wolgast nahm mit zwei Personenomnibussen fein stadteigener und ein gemeinschaftlicher) ab 30. Mai 1938 den Verkehr von Wolgast nach
Peenemünde auf. Bereits im Juni 1938 verkehrten sechsmal täglich 3 Omnibusse. Am 1. April 1939 ging die Buslinie an die Reichspost über.
Bis zum Ende des Jahres 1936 entstanden mehrere Arbeitergemeinschaftslager, der Gleisanschluss an die Reichsbahnstation Zinnowitz und die Landstraße nach Karlshagen. Der Bau der Verwaltungs- und
Wirtschaftsgebäude war im Januar 1937 so weit vorangeschritten, dass die ersten Waggons mit Stahlkonstruktionen für die Werkstätten Werk Ost angeliefert werden konnten.